Persönliches

Entscheidung zum Herzensweg

Du liest hier meinen bisher persönlichsten und ehrlichsten Blogbeitrag. Das Fazit einer monatelangen Auseinandersetzung mit mir und meinen Gedanken. Ich schreibe diesen Artikel gerade voller Liebe und Vertrauen in meine Entscheidung.

Ich beende mein Studium vorzeitig ohne die Masterarbeit zu schreiben. Ich wende diesem Kapitel meines Lebens den Rücken zu. Ich befreie mich von diesem Egowunsch, sie zu beenden. Ob das nicht verrückt ist, nach Jahren des Studiums und der Investition und den super Noten? Kann sein, keine Ahnung. Ist es das? Rückblick: Ich wollte diesen Master nie machen. Ich war im Studium in Berlin nie glücklich. Im Gegenteil: Ich kam an meine psychischen Grenzen. Und ich habe mich durchgekämpft. Tag für Tag. Und nebenbei viel gearbeitet. Ich war seelisch am Ende, als ich plötzlich schwanger wurde.

Dann kam dieses kleine Wesen zur Welt und ich verstand, warum ich da bin. Ich sah den Sinn. Wir lernten uns kennen, wurden eins. Ich lernte MICH neu kennen. Wir reisten, machten tolle und schwierige Erfahrungen, sind miteinander gewachsen. Und dann tauchten diese Begriffe in mir auf wie „selbstbestimmtes Leben“, „bindungsorientierte Elternschaft“ usw. Und genauso lebten wir schon in unserer Elternzeit. Und genau das wollte und will ich weiterhin für uns.

Das innere Ego

Stimmen, wie „du solltest aber dein Studium noch beenden, dann kannst du ja machen was du willst“ tauchten auf. Kamen Sie nur von innen? Nein auch viel von außen. Denn dazu werden wir hier getrimmt. Ich bin mein ganzes bisheriges Leben nur am Lernen und Leisten: Kindergarten, Schule, Abi, Ausbildung, Bachelor und nun Master. Und die meiste Zeit war ich sehr einsam und leer. Dieses Studium war verdammt einsam. Ellenbogenmentalität wohin man schaute. Kunstgeschichte ist ein hartes Pflaster. Ich bin 34. ICH WILL und kann DAS NICHT MEHR! Ich will dem Perfektionismus nicht mehr nachjagen. Meinen Selbstwert damit identifizieren. Mein Kind lehrte mich, dass andere Dinge so viel bedeutsamer sind. Dass ZEIT MIT IHR das wertvollste ist. Sie ist einmalig. Ich bekomme sie nie wieder.

Warum das nun der mutigste Schritt für mich ist? Nun ja, ich habe IMMER alles beendet was ich angefangen habe. Ich war immer „brav“, hab‘s durchgezogen. Nun sprenge ich diese Kette. Zum allerersten Mal.

Der Herzensweg

Selbst als ich monatelang verstanden habe, dass dieser Abschluss nur noch eine Sache meines Stolzes und Egos ist, tat ich mich schwer, das vor MIR selbst zuzugeben. Habe ich doch immer gedacht, dass ich den Abschluss 2020 in meinen Händen halten würde. Dann hatte ich ein Coaching. Und ein Satz, den sie sagte, veränderte etwas. Sie fragte mich, ob ich denn Vertrauen in meinen Herzensweg (hier ist nicht vom Master die Rede) habe. Und ich zögerte, spürte aber, dass da schon viel Vertrauen ist. Mir wurde klar, dass ich wirklich alles auf diese Karte setzen will und dass ich aufhören sollte, darüber nachzudenken, was ich sonst ohne diesen Abschluss irgendwann mal machen werde. Dass ich im Hier und Jetzt etwas ändern will und kann. Dass ich es schon lange vorbereite und der Startschuss langsam kommen kann. Es zauberte mir ein stetes Grinsen ins Gesicht. Und nun sitze ich hier. Recherchiere die weiteren Schritte. Und lasse den neuen Weg beginnen! Schiebe manche (alte) Gedanken weg und lasse Vertrauen rein in mein Herz.

Und P.S.: Natürlich wollte meine innere Kritikerin einen Ausweg für „Was ist denn irgendwann in der Zukunft?“ und weißt du, was ich ihr geantwortet habe?

Folgendes: Es war keine verschwendete Zeit oder Mühe. Ich habe es versucht. Ich habe Masterthemen recherchiert, Bücher gewälzt und nichts fühlte sich stimmig an. Es war mir vor Jahren wichtig Kunstgeschichte zu studieren, mein Herz hing mal daran. Aber das hat sich geändert. Mamasein hat mich und meine Prioritäten verändert. Und das Gute am Mastersystem ist ja, dass man irgendwann an die Uni zurückkehren kann, wenn man das will. ? Aber wer weiß, welche tollen Türen sich nun öffnen.

(Hier verlinke ich dir gern mal die Seite von Bianca, bei der ich dieses inspirierende Coaching hatte. https://www.biancalauterbach.com/ )

3 Comments

  • Katja

    So ein schöner Text, danke dir.
    Mamasein verändert alles. Oder kann alles verändern. Schön, dass wir diese Erfahrung machen dürfen!

  • Sina

    Danke liebe Jenny, für deine Worte! Genau das was ich hier bei dir lese habe ich gebraucht und ich bin mir absolut sicher das
    Universum hat mich hier her geschickt! Ich stehe nämlich vor einer riesen Entscheidung, nämlich mit meiner 4 Monate alten Tochter und meinem Mann in seine Heimat nach Ecuador zu ziehen. Seit Jahren war ich hin und her gerissen bei diesem Thema und als wir gerade gehen wollten, erfuhr ich von meiner Schwangerschaft. Bis zur Geburt wollten wir noch in Deutschland bleiben und dann kam noch corona dazwischen. Mein Mann möchte schon im Juni fliegen, obwohl September geplant war. Das alles fällt mir sehr schwer, mich von meiner Familie und Freunden zu trennen. Vor allem meine Mutter hängt sehr an ihrer Enkelin. Andererseits möchte ich nicht, dass meine Tochter hier im Deutschen System, in einer engen Stadtwohnjng aufwächst. Ich will dass sie sich wahrlich frei entfalten kann. Dein Blog hat mir gerade noch einmal das Herz geöffnet und nun sitze ich hier mit Tränen in den Augen und weiß das alles gut wird. Danke dir, liebe Jenny. Ich danke dir vom Herzen! Liebste Grüße Sina

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