Langzeitreise

Indien: Ein Fazit nach 10 Monaten im Lockdown

Wir haben nach 10 Monaten Indien mit einem lauten Knall verlassen. Unsere letzten Wochen verbrachten wir in Pondicherry, da in unserem Haus in Auroville zweimal eingebrochen wurde. Beim ersten Mal wurde mir einiges an Geld gestohlen. Ich war tief erschüttert in meinem Vertrauen. Ich war sehr traurig und geschockt. Und die Angst kam zurück.

Früher hatte ich viel Misstrauen gegenüber Menschen. Ich litt jahrelang unter schlimmen Angststörungen, die mein tägliches Leben sehr beeinträchtigten. Ich konnte zeitweise nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, auf Veranstaltungen gehen… Das war kein Leben mehr. Ich reiste nicht mehr. Aber ich entschloss, dass es so nicht weitergehen kann und kämpfte gegen diese negativen Glaubenssätze, die mich die Welt und die Menschen darin so negativ sehen ließen. Ich lernte zu vertrauen, mir und dem Universum. Und den Menschen.

Indien: Eine Lektion zum Schluss

Und dann kam Indien. Ich reise schon so viele Jahre und noch nie zuvor ist mir sowas vorher passiert. Ich wurde noch nie bestohlen. Ich wollte schnell verstehen, warum das Universum mir diese Lektion schickte. Durch diesen Einbruch und Diebstahl bekam ich den Antrieb, mich durch die indische Bürokratie und raus aus dem Land zu kämpfen. Wer mir auf Instagram folgte, weiß, wie hart der Kampf war und dass ich schon seit Monaten raus wollte. 2 Wochen täglicher Stress mit Behörden, da man im indischen Lockdown eigentlich nur ins Heimatland fliegen durfte. Aber es fand sich ein Weg, über Tanzania Airlines, die auch Touristen transportierte.

Viele Leute fragten mich, ob ich Indien nun mit anderen Augen sehe. JEIN. Ich glaube, dass die aktuelle Lage viel mit den Menschen macht und die Armen noch ärmer werden und ich als Ziel einfach interessanter werde. Das kann einem überall passieren, leider. Ich muss achtsamer sein. Vorsichtiger. Ich möchte dennoch weiterhin nahe an den Locals sein und ihnen auch vertrauen. Ich spüre aber auch, dass mein Vertrauen erschüttert wurde. Dass ich mich da neu finden muss.

Aber was noch genauso stark ist wie zuvor, ist das Vertrauen ins Universum, dass nichts ohne Grund und nur zu unserem Besten passiert. Dieser Vorfall hat mich dazu gebracht, das Land endlich zu verlassen.

Indien in Bildern

Ich habe mich in Indien wirklich sehr entwickelt. Ich habe auch wirklich viel in Indien durchgemacht.

  • Ich habe alleine mit Kind Indien wie die Locals bereist: Zug, Bus, Couchsurfing
  • Einen kompletten Lockdown (Supermärkte, Shops zu für 3 Wochen) im Dschungel Goas überstanden
  • Wohnungen, die nicht besonders schön und angenehm waren: Hitze, Mücken, Ratten, Kakerlaken
  • Mich in einen Einheimischen verliebt und wurde mit einem lauten Knall getrennt
  • Überstand 5 Monate täglichen Monsun
  • Wurde schwanger und verlor es sehr früh wieder
  • Wir kamen viel umher: vom Süden auf dem Landweg bis nach Goa, wo wir 6 Monate verbachten, dann nach Chennai, Auroville und Pondicherry und über Mumbai raus aus Indien
  • 10 Monate ertrugen wir den ständigen Lärm Indiens
  • Ich gründete im Lockdown erfolgreich mein eigenes Business

Der Lockdown in Indien war anstrengend. Starke Einschränkungen, Maskenpflicht, tägliche Temperaturmessungen, Social Distance, ständiges Hände desinfizieren etc.

4 Monate dieser Zeit konnten wir in Goa fast nur drinnen verbringen, das war wirklich hart. Es regnete auch monatelang fast nur durch.

Dennoch war Indien ein wichtiger Step auf unserem Weg. Es wäre mir lieber gewesen, er hätte im Juli dort geendet, aber das Leben kommt wie es kommt und ich weiß, dass ich meine Intuition oft überhört habe. Sie meldete sich öfter und schrie NEIN. Das habe ich jetzt gelernt. Ich bin gewachsen.

Und wir sind doch alle hier, um zu wachsen und uns zu entwickeln, oder? Ich wusste Indien hält einiges für uns bereit, dass es so krass werden würde, hätte ich nicht gedacht. Aber nun bin ich stärker und bereit für Neues.

Pünktlich zu unserem 1-jährigen Jubiläum als digitale Nomaden geht es raus aus Indien. Es geht nach Sansibar.

4 Comments

  • Zeitreisen.home

    Faszinierend was du alles gemeistert hast und nicht vorzeitig aufgegeben hast. Interessant zu lesen, wünschen dir und deiner wundervollen Tochter alles Gute für die Weiterreise. Wohin geht es weiter?

  • Julia

    Ihr Lieben, ich vermisse euch hier in Berlin und ich bin stolz, wie ihr alles meistert in einer für mich völlig unvorstellbaren Lebenssituation :). Das ist so toll. Wow!

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