wohnungsauflösung
Langzeitreise

Wohnungsauflösung in Deutschland

Meine guten und schlechten Erfahrung, meine Tipps

Kurze Info zu unserer deutschen Wohnung

Meine Tochter und ich lebten vor der Ausreise in einer 2 Zimmerwohnung auf 45qm. Ich hatte nicht so viele Möbel, aber einige tolle Sachen aus Asien in meiner Wohnung. Ich hatte in den vergangenen Jahren zumindest an Kindersachen immer sofort all das verkauft, was nicht mehr notwendig war. Eine gute Entscheidung! Dennoch stand ich das erste Mal vor einer Wohnungsauflösung.

Beginn der Wohnungsauflösung

Ich recherchierte ein wenig. Stieß dabei aber eher auf Werbung von Entrümpelungsfirmen. Aber auch auf einen sympathischen Blog. Dort bekam ich den Tipp: Erst den Inhalt, dann die Möbel verkaufen. Okay klingt logisch. Ich verlinke ihn dir am Ende.

Aber das war in der Praxis dann manchmal doch nicht so leicht. Dennoch kamen innerhalb von 2,5 Wochen sämtliche Möbel des Wohnzimmers und Schlaf/Kinderzimmers weg. 6 Wochen vor Abreise stand nur noch das Bett, wenige Regale im Wohnzimmer, die einigermaßen Ordnung schufen und die Küche, die die Nachmieter übernehmen sollten.

Wohnungsauflösung: So habe ich es gemacht

Einiges ging an Freunde und Bekannte. Das meiste habe ich bei Ebay Kleinanzeigen reingestellt, über zwei verschiedene Accounts, da ich meistens mehr Anzeigen online hatte, als es kostenfrei möglich war. Außerdem nutzte ich Facebookgruppen, vor allem in meinem Berliner Bezirk. So kam ich beispielsweise an Familien ran, die vorbeikamen, um sich die ganzen Kindersachen durchzusehen. Dabei habe ich viel verkauft.

Aber ich muss ehrlich sagen, das ständige Fotografieren und Reinstellen der Sachen, Nachrichten bekommen und beantworten war sehr anstrengend. Und dann die ständigen Abholungen, Termine machen oder Leute, die nicht auftauchten. Ich brauchte starke Nerven. Und es wurden sehr viele Warensendungen, Päckchen und Pakete verschickt.

Wohnungsflohmarkt

Ich hatte zu Beginn die Idee, meine Wohnungsauflösung durch einen öffentlichen Wohnungsflohmarkt zu unterstützen. Da ich alleinerziehend bin und keine physische Unterstützung mit meiner Tochter habe, konnte ich keinen herkömmlichen Flohmarkt machen.

Dieser Wohnungsflohmarkt war körperlich das anstrengendste überhaupt. Alles rauslegen, Preislisten machen, darauf achten, dass meine Tochter alles so liegen lässt… Puh, es war wirklich kräftezehrend. Ich war auch ein wenig zu perfektionistisch. Und es kam gerade mal eine Familie vorbei. Schade. Aber um das positiv zu betrachten: Danach war zumindest alles aussortiert und die Preise für die Verkäufe bei Ebay standen fest.

Wohnungsauflösung: Wie erging es meiner Tochter damit?

Oft wurde ich gefragt, wie es meinem Märzmädchen damit ging, dass so viele Spielsachen verkauft wurden. Wie sie es fand, dass zu Hause alles weniger wird.

Sie trennte sich recht gut von den Spielsachen, vor allem wenn sie Geld in ihr Portemonnaie machen konnte oder ein Schoko-Ei bekam. Sie durfte sich dann meistens eine Kleinigkeit kaufen. Sie hatte aber zunehmend auch Probleme damit, dass sehr oft Leute vorbeikamen.

Nach der ersten Verkaufswoche merkte ich, dass ich verkaufs- und ebayfreie Tage einplanen muss. Wir beide brauchten das. Die vielen Abholungen störten sie nach 2 Wochen. Dauernd kamen Nachrichten an und sie sagte öfter „Mama kein Handy“.  Sie fragte auch oft nach, ob noch jemand kommt. Ich war froh, als das meiste nach 4 Wochen geschafft war. Grundsätzlich empfand ich meine Kleine schon als unruhiger, vor allem im Schlaf. Sie hatte manchmal Angst und ich erklärte ihr, dass heute niemand mehr kommt, alles gut sei. Gleichzeitig freute sie sich aber auch auf die große Reise, wie ich sie nannte. Was sie aber toll fand, war der neugewonnene Platz zu Hause zum Toben und Ball spielen. Und ich merkte recht schnell, dass wenig Spielzeug zu haben ein großer Gewinn für uns ist. Was für sie am Ende ein echtes Drama war, war der Abschied vom Fernseher.

Schlechte Erfahrungen während der Wohnungsauflösung

Die ersten 8 Wochen lief alles wirklich reibungslos. Ich konnte es kaum glauben. Alle Weichen stellten sich, wie es sein sollte. Dann plötzlich sagten 2 Tage vor Vertragsunterzeichnung 4 Wochen (!) vor unserer Ausreise die Nachmieter ab. Ich war wütend. Geschockt. Genervt. Nochmal der ganze Scheiß von vorne. Die ganze Schreiberei nervte, fraß Zeit. 10 Besichtigungen, wieder Leute, die nicht auftauchten.. Ach ihr kennt das wahrscheinlich. Ich wollte Nachmieter haben, damit ich nicht auch renovieren und die Küche einzeln verkaufen muss. Ich suchte also erneut nach Nachmietern und schlug dem Vermieter nach einer Woche 3 Kandidaten vor. Eine weitere Woche dauerte es und dann kam die Absage. Alle Kandidaten abgelehnt!

Am Rande meiner Kraft

Ich war fix und alle. Ich hätte heulen können. 3 Wochen vor unserer Abreise aus Berlin. Ich hatte nur noch zweifel, wie das jetzt noch schaffen soll. Und gleichzeitig hatte ich kein Bock, nach schon zwei Versuchen und dem ganzen Stress, jetzt auch noch die Wohnung renovieren und die Küche verkaufen zu müssen, während wir noch in der Wohnung leben mussten. Ich hab mich so allein gefühlt mit meiner Last. Das war einer der wenigen Momente, wo ich mir einen Partner gewünscht habe, mit dem man sich die Last teilt und der einen einfach in den Arm nimmt und sagt „Wir schaffen das!“ Aber ich habe Freundinnen. Und die waren an diesem Abend per Handy für mich da. Sie machten mir Mut. „Schau, was du bisher schon alles geschafft hast! Und das alleine mit Kind! Du packst das!“ Ich konnte diese Sätze kaum glauben, aber sie hatten Recht. Ich hatte in wenigen Wochen meine Wohnung verkauft, habe mich nebenbei um diese Seite und Jobs gekümmert, die ganze Bürokratie erledigt und war noch für meine Tochter da. Ich würde das weitere nun auch noch schaffen.

3 Wochen vor Ausreise

Ich hörte mir einen Podcast von Christian Bischoff an. Und dann fixierte ich mich wieder auf mein Ziel, versuchte mehr im Hier und Jetzt zu bleiben und mir weniger Sorgen zu machen. Ich beschloss: Das wird jetzt irgendwie!!! Ich inserierte die Wohnung erneut. Es kamen 140 Nachrichten über Nacht! Diese kommenden 3 Tage waren der blanke Horror. Ich hatte zusätzlich solche Rückenschmerzen, dass ich kaum aufrecht laufen konnte. Dennoch hatten wir an 2 Tagen Wohnungsbesichtigungen. Erst lief es wieder nicht, aber an Tag 2 lief es. Es kamen alle 4 Leute mit vollständigen Unterlagen und alle hatten Einkommen vorzuweisen. Endlich mal! Ich konnte endlich dem Vermieter ordentliche Kandidaten vorschlagen. Einen Tag später rief er mich an und bestätigte das. Ich durfte mir den Nachmieter aussuchen und entschied mich für das Paar, welches viele andere Möbel zusätzlich brauchen konnte. Eine Last fiel mir ab!!! Innerhalb einer Woche machten wir den Termin, um die zu verkaufenden Gegenstände zu klären und der Vertrag wurde unterzeichnet. Ich bekam sogar mehr für meine restlichen Möbel als geplant war. Win Win! 12 Tage vor Abflug war dann endlich alles in trockenen Tüchern.

Ausgetricks

Die andere miese Erfahrung war folgende: Ich besaß einen zweiten, kleineren Kühlschrank, der über die Kleinanzeigen App nur schwer ein neues zu Hause fand. Irgendwann schrieb mich eine Frau an. Sie arbeite für ein Flüchtlingsheim oder so und ein Mann mit wenig Geld möchte den Kühlschrank kaufen. Ich wollte helfen und ging von 50 Euro auf 35 Euro runter. Gleichzeitig packte ich super viele Sachen in Kisten: Kleidung, Geschirr, Lampen.. Kleinkram halt. Sie sagte die Leute dort seien bedürftig. Sie holte die Sachen ab. Der Mann diskutierte mit ihr in einer anderen Sprache, er sei Elektriker, wisse nicht, ob der Kühlschrank ja funktioniere. Er stand damit im Erdgeschoss, wollte ihn nicht in meine Wohnung tragen zum testen. Statt, dass ich dann nein sagte, stimmte ich einem Verkauf für 15 Euro zu. Und ärgerte mich.

3 Wochen später schrieb sie mich an, ob ich ausgezogen wäre oder noch Sachen hätte. Für den Flohmarkt!!!! Am gleichen Tag sah ich Taschen von mir auf dem Flohmarkt bei mir um die Ecke liegen. WOW! PUH! Klar hab ich mich geärgert, aber ich habe es versucht so zu sehen, wie ich es letztens in einem Christian Bischof Podcast hörte: Dieser Mensch scheint es dringend zu brauchen. Also bitteschön. Ich habe ihr dann geschrieben, dass sie mich bitte nicht mehr kontaktieren soll und ich ihr viel Erfolg beim Verkauf wünsche. War schwer, aber warum ewig darüber ärgern. Sie antwortete, der Kühlschrank habe sowieso nicht funktioniert. Karma???

Aber wisst ihr was, entweder man gewinnt oder man lernt. Ich habe gelernt.

Wovon konnte ich mich nur schwer trennen und warum?

Anfangs dachte ich, „Ach das wird mir alles leicht fallen“. Pustekuchen. Mein erster „Trennungsschmerz“ kam bei meiner Serienbox „The O.C.“. Das traf mich unerwartet. Als ich sie aus dem Regal nahm und für die Frau, die sie gleich abholen wollte, beiseite stellte, spürte ich Traurigkeit. Ich hielt mir die Box ans Herz, um mich zu verabschieden und war den ganzen Abend nach dem Verkauf wirklich noch traurig und überrascht. O.C. California war meine erste Serie, die ich suchtete. Da war ich gerade 19. Eine Serie, die bei mir tief ging, da ich mich sehr mit dem Protagonist identifizieren konnte. Schwer fiel mir auch, mein Fahrrad zu verkaufen. Mein Rad symbolisierte im letzten Jahr ein großes Stück Freiheit und Leichtigkeit für mich in dieser großen, hektischen Stadt. Ebenso mein Werkzeug: Mein geliebter Akkuschrauber. Es ist lustig, dass ich „als Frau“ so an meinem Werkzeug hing. Aber auch das symbolisierte Freiheit und Unabhängigkeit für mich.

Freiheit

Dennoch kann ich sagen, dass sich mit jedem Teil, was die Wohnung verlassen hat, Leichtigkeit breit machte. Die Freude wuchs. Es wurde realer, was wir vorhaben. Das Chaos hat mich nie so sonderlich gestört. Es gehört zu einer Wohnungsauflösung auch irgendwie dazu. Und außerdem waren schon immer Profis im Anpassen an neue Situationen 🙂 Aber ich bin froh, dass ich es hinter mir hab. Das war echt anstrengend.

Danke!

Ich möchte mich an dieser Stelle noch kurz bei meinen Freunden bedanken, die so einiges meiner Sachen gekauft haben. Ich freue mich, dass ihr uns in dieser Form unterstützt habt. Ich freue mich aber auch sehr darüber, dass meine Sachen nun ein schönes zu Hause gefunden haben und euch erfreuen. Ich danke aber auch allen anderen, die unseren Weg weiterhin verfolgen und mit uns in Kontakt bleiben.

Im nächsten Artikel geht’s ums große Packen…

Der hilfreiche und lustige Blog zum Thema Wohnungsauflösung: https://www.arbeiten-unterwegs.de/haushaltsaufloesung-nichts-leichter-als-das/

2 Kommentare

  • Lini

    Dich da zu unterstützen ist ja wohl das Mindeste! <3
    Ich finde den Artikel toll und authentisch geschrieben. Wir wandern zwar nicht aus, wurden aber soeben wieder zum Ausmisten motiviert.
    Danke dafür!

    Liebste Grüße,
    Lini

  • Katja

    Wir haben ähnliche Erfahrungen mit ebay Kleinanzeigen. Und obwohl wir nicht viele Dinge besitzen und auch schon seit ca. 3 Jahren ausmisten, fällt uns immer wieder was zum Verkaufen/ Ausmisten ein. Wahrscheinlich können wir uns von Mal zu Mal besser trennen 🙂
    Zum Glück haben wir noch vieeel Zeit bevor es losgeht.

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